2026-01-22

Darf ich fliegen, wenn ich Herzprobleme habe? Worauf sollte ich vor einem Flug achten? Ein Artikel Ihrer Kardiologen und Flugmediziner in Frankfurt am Main.

Wenn Sie vor Ihrer Abreise gemeinsam mit Ihrem Arzt einen Gesundheitsplan erstellen, können Sie Ihren Flug entspannter genießen.

Flugreisen können selbst unter den besten Umständen unangenehm sein – und für manche von uns sogar beängstigend. Wenn Sie mit einer Herzerkrankung leben (oder sich davon erholen), kann das noch einschüchternder sein.

Wie wirkt sich das Fliegen auf mein Herz aus?

Das Sitzen in einem Flugzeug in 10000m Höhe hat viele Auswirkungen auf den Körper. Was das für Ihr Herz bedeutet, hängt von Ihrer Erkrankung und deren Behandlung ab. Folgende Faktoren können Ihr Herz während Flugreisen beeinträchtigen:

  • Bewegungsmangel: Langes Stillsitzen kann Ihre Durchblutung verlangsamen und das Risiko für Blutgerinnsel erhöhen.

  • Kabinenluftdruck: Der Luftdruck ändert sich mit der Höhe. Das ist der Grund für Ohrenschmerzen und Höhenkrankheit. Während eines Fluges können Änderungen des Kabinenluftdrucks Ihr Herz-Kreislauf-System belasten.

  • Verringerter Sauerstoffgehalt: Ein Abfall des Luftdrucks kann Ihren Blutsauerstoffgehalt verringern. In diesem Fall schlägt Ihr Herz möglicherweise schneller, um dies auszugleichen. Das belastet Ihr Herz zusätzlich und kann Symptome wie Atemnot verursachen.

  • Trockene Luft: Die Luft in Flugzeugen ist extrem trocken. Jedes Mal, wenn Sie atmen, verlieren Sie etwas mehr Wasser, als Sie aufnehmen. Das kann zu Dehydrierung führen, wodurch Ihr Herz unnötig belastet wird. Wenn Sie zusätzlich Koffein oder Alkohol zu sich nehmen, verschlimmert sich dieser Effekt noch.

  • Anspannung: Reisen macht zwar Spaß, ist aber selten einfach. Dieser zusätzliche Stress (und die damit einhergehende Flut von Hormonen) kann sowohl Ihren Blutdruck als auch Ihre Herzfrequenz erhöhen.

Herzerkrankungen, die durch Fliegen beeinträchtigt werden

Wenn Sie sich von einem Herzinfarkt oder einer Herzoperation erholen, kann Fliegen Ihre Genesung beeinträchtigen, da es Ihr Herz unnötig belastet. Laut einer im Jahr 2017 veröffentlichten Übersicht und Forschungsarbeit der British Cardiovascular Society gehören zu den häufigen Herzerkrankungen, die durch Flugreisen beeinträchtigt werden können:

  • Angina pectoris,

  • koronare Herzkrankheit,

  • Herzinsuffizienz,

  • angeborene Herzerkrankungen,

  • Herzklappenerkrankungen,

  • Herzrhythmusstörungen,

  • pulmonale arterielle Hypertonie.

Flugreisen können sich auch auf Personen mit einem Herzschrittmacher, einem implantierbaren Kardioverter-Defibrillator (ICD) oder einem ventrikulären Unterstützungssystem (VAD) auswirken. Sprechen Sie vor dem Flug auch mit Ihrem Arzt, wenn Sie sich vor kurzem einer Herzablation unterzogen haben.

Tipps für Flugreisen bei Herzproblemen

1. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt.

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn Sie eine Reise planen. Es ist besonders wichtig, dass er Sie untersucht, wenn Sie neue oder sich verschlimmernde Symptome haben. Suchen Sie Ihren Arzt auch auf, wenn Sie sich von einem kürzlich erlittenen Herzinfarkt, Schlaganfall oder einer Herzoperation erholen.

Er wird Ihnen helfen festzustellen, ob Fliegen für Sie sicher ist und welche Vorsichtsmaßnahmen Sie gegebenenfalls treffen müssen. In einigen Fällen werden Sie möglicherweise gebeten, einen Belastungstest oder eine Echokardiographie zu absolvieren, um sicherzustellen, dass Ihr Herz für die Reise fit ist. Unter Umständen werden Ihnen auch bestimmte Medikamente vor dem Flug verschrieben.

2. Packen Sie außerdem Ihre Unterlagen ein.

Es ist wichtig, dass Sie Ihre medizinischen Informationen zum Herzen überallhin mitnehmen. Folgende Informationen sollten für Notfälle griffbereit sein:

  • Die Kontaktdaten Ihres Arztes: Wenn Sie aus irgendeinem Grund ins Krankenhaus eingeliefert werden, können Sie wertvolle Zeit sparen, wenn Sie die Kontaktdaten aller Mitglieder Ihres Gesundheitsteams griffbereit haben.

  • Informationen zu einem lokalen Anbieter: Bitten Sie Ihren Kardiologen, Ihnen einen Anbieter oder ein medizinisches Zentrum in der Nähe Ihres Reiseziels zu empfehlen, für den Fall, dass Probleme auftreten sollten.

  • Kopie Ihres EKGs: Wenn Sie einen unregelmäßigen Herzschlag bitten Sie um eine Kopie Ihres Elektrokardiogramms (EKG).

  • Angaben zu Geräten: Wenn Sie ins Ausland reisen, nehmen Sie die Kontaktdaten des Herstellers Ihres Herzschrittmachers oder Ihres implantierten Kardioverter-Defibrillators (ICD) mit.

  • Angaben zur Versicherung: Vergewissern Sie sich, dass Ihre Krankenversicherung die Kosten für die medizinische Versorgung während Ihrer Reise übernimmt. Schließen Sie gegebenenfalls eine Krankenrücktransportversicherung ab, wenn Ihre Krankenversicherung diese Leistung nicht anbietet.

3. Verwalten Sie Ihre Medikamente.

Wenn Sie auf Reisen Herzmedikamente einnehmen müssen, stellen Sie sicher, dass Sie genug für die gesamte Reise dabei haben. Packen Sie nach Möglichkeit ein paar Tage mehr ein, für den Fall, dass es zu unerwarteten Verzögerungen kommt. Und denken Sie daran: Bewahren Sie Ihre Medikamente immer in der Originalverpackung in Ihrem Handgepäck auf. Sie möchten nicht riskieren, dass sie verloren gehen oder von der Sicherheitskontrolle beschlagnahmt werden. Wenn Sie in ein anderes Land reisen, prüfen Sie, ob Sie einen Antrag auf Einfuhr von Medikamenten stellen müssen.

4. Vorsichtsmaßnahmen bei Metalldetektoren

Haben Sie einen Herzschrittmacher oder einen implantierten Kardioverter-Defibrillator (ICD)? Wenn ja, empfiehlt sich folgendes:

  • Weisen Sie das Sicherheitspersonal darauf hin, dass Sie ein implantiertes Gerät haben.

  • Stehen Sie nicht länger als nötig in der Nähe des Metalldetektors.

  • Lehnen Sie sich nicht gegen den Metalldetektor.

Wenn ein Handmetalldetektor erforderlich ist, sollte dieser nicht länger als unbedingt notwendig über dem Herzschrittmacher oder ICD gehalten werden. Sie können auch um eine manuelle Durchsuchung (Abtasten) anstelle des Handmetalldetektors bitten.

5. Kompressionskleidung in Betracht ziehen

Wenn Ihr Arzt Ihnen mitgeteilt hat, dass Sie ein mittleres Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln haben, werden Kompressionsstrümpfe empfohlen. Diese können auch für längere Flüge in Betracht gezogen werden. Wenn Sie ein hohes Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln haben, sprechen Sie vor dem Flug mit Ihrem Arzt über dessen Empfehlungen.

6. Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und verzichten Sie auf salzige Snacks.

Bevorzugen Sie stattdessen flüssigkeitsreiches Essen. Trinken Sie während des Fluges Wasser statt Alkohol. Alkoholische Getränke verschlimmern die mit dem Fliegen einhergehende Dehydrierung nur noch. Ein netter Nebeneffekt? Wenn Sie sich an Wasser und natriumarme Snacks halten, können Sie auch dem Jetlag vorbeugen.

7. Bitten Sie das Flugpersonal um Hilfe, wenn Sie sie benötigen.

Wir verstehen das: Niemand möchte der Grund dafür sein, dass die Flugbegleiter nach einem Arzt suchen müssen. Und medizinische Versorgung ist für niemanden Teil eines Urlaubs. Informieren Sie bitte das Personal, wenn Sie während des Fluges Brustschmerzen, Anzeichen eines Herzinfarkts oder andere Symptome einer Herzerkrankung haben.

Passagierflugzeuge sind mit einem automatischen externen Defibrillator ausgestattet. Sollte es im Flugzeug zu einem Notfall kommen, gibt es geschulte Personen, die Ihnen helfen können.

Fazit

Abschließende Gedanken

Eine Herzerkrankung bedeutet nicht das Ende Ihrer Abenteuerzeit. Sie müssen lediglich etwas mehr planen. Wenn Sie Ihre Sorgen am Abfluggate nicht abschütteln können, wenden Sie sich an Ihren Arzt. Er kann Ihnen dabei helfen, die Voraussetzungen für einen sicheren und gesunden Flug zu schaffen.